2007 - Die Heidenauer Aue, Beispielprojekt für schonende Gewässerunterhaltung

September 2008 aktualisiert. An der Heidenauer Aue, einem Bach des Oste-Einzugsgebiets, wird die Auswirkung schonender Gewässerunterhaltung im Gegensatz zur harten Unterhaltung belegt. Der durch erhebliche Erosion im Agrarumfeld durch treibenden Sand gekennzeichnete Bach zeigt sein Bestreben, sich zum vielfältigen Kiesbach zurück zu entwickeln. 

Im Norddeutschen Tiefland zwischen Hamburg und Bremen, wo man sich jahrzehntelang um Wiesenbrüterschutz bemühte, sind die Nutzflächen seit langem ständig vergrößert und von Weidewirtschaft auf intensive Silagegewinnung umgestellt worden.

Großflächige Landwirtschaft zur Gewinnung von Grassilage.

Inzwischen, als Folge des ErneuerbareEnergieGesetzes, wird massiv jegliches befahrbare Land in Acker umgebrochen - sogar gesetzlich geschützte Gewässerrandstreifen, § 58 (1) Niedersächsisches Wassergesetz.

Kleine Fließgewässer, ihre Ufer sowie begleitende, naturnahe Randstreifen sind durch ihre besonderen Standorteigenschaften wertvolle und vielfältige Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Durch den Umbruch von Gewässerrandstreifen im Zuge der Gewinnung von Maisackerflächen gehen diese Lebensräume verloren.

Nahezu jede Fläche wird absehbar zu Mais-Acker.

Weitere Verschlechterungen für unsere Gewässer, vom Quellbach bis zum Meer, werden hieraus resultieren.

Kerstin Grabowsky beschreibt die unbefriedigende Situation unserer Fließgewässer im ländlichen Raum am Beispiel eines Oste-Nebenbachs, der Heidenauer Aue. Übermäßiger Bodeneintrag aus unangepasster Landnutzung und fortwährend harte Gewässerunterhaltung prägen bis heute die Realität fast aller unserer Gewässerlebensräume. Diese Situation wurde leider auch in diesem Einzugsgebiet vorgefunden.

Die Untersuchung belegt, wie leicht Verbesserungen schon durch Anwenden bekannter, angepasster Handlungsweisen erreicht werden können: Allein die Umstellung auf – nicht teurere – Handunterhaltung verbesserte den Lebensraum um 2 Strukturgüteklassen. Auch wurde nachgewiesen, dass die Heidenauer Aue als kiesgeprägtes Gewässer einzustufen ist, Korrekturbedarf für die bisherige Ausweisung im Bearbeitungsfeld Wasserrahmenrichtlinie.

Wesentlich geprägt wird die Verbesserung durch die Möglichkeit des Bachs, sein standorttypisches Steinbett wieder ohne Störung auszubilden.

Der "Wasserbaumeister Pflanze" trägt durch Einengen des Niedrig- und Mittelwasserprofils dazu bei, den turbulenten Kiesbach weiter zu verdeutlichen.

Ein Maßnahmenkonzept mit konkreten Verbesserungshinweisen rundet die Arbeit ab – nachahmbares Beispiel für die Vielzahl unserer noch in unnötig schlechtem Zustand dahin fließenden Bäche des Norddeutschen Tieflands. Auf dem Weg zum guten ökologischen Zustand wird Erfolg aber nur erzielen sein, wenn die Ausschüttung von EU-Landwirtschaftssubventionen an klare Forderungen zum Erosionsschutz, zur Minimierung von Dünger- und Pestizid-Austrägen sowie an weitere Qualitätsmerkmale zwingend gekoppelt wird.

Im Internet finden Sie die Veröffentlichung hier.

Wer die Möglichkeit hat, eine Buchbesprechung in einem Fach- oder Verbandsjournal oder für die Presse zu schreiben, erhält ein kostenloses Rezensionsexemplar hier.

Das Inhaltsverzeichnis steht als pdf-Datei unter Downloads, "3 Praxistipps".

Seit Mitte der 1990er wurde parallel zur minimierten Gewässerunterhaltung in der oben beschriebenen Beispielstrecke ein beidseitiger galerieartiger Erlensaum entwickelt.  Hier ein paar Eindrücke vom inzwischen gut ausgebildeten Kiesgrund.

Der ca. 10 Jahre alte Erlensaum.

Gut zu erkennen: hier ist der Wasserabfluss möglich, Gewässerunterhaltung kann sich auf Nachschau und Bereinigen punktueller Probleme beschränken.

Im überbreiten Bett muss natürlich in-stream-restoration für Struktur sorgen.

Licht und Schatten - Kiesgrund.

Zeitweiser Blattrückhalt auf rauem Grund - verbesserte Nahrungsgrundlage der Wirbellosen.

In den Niedrigwasserbereich hineinwachsende Wurzeln verbessern durch Turbulenz das Freihalten des Kiesgrundes auch bei Sandeintrag von aussen.

Wenn nur die harte Gewässerunterhaltung und die exzessive gewässergefährdende Landwirtschaft mit ihrem Dünger-, Pestizid- und erheblichen Bodeneintrag endlich umgestellt würden . . .

Leider sieht das gesamte Einzugsgebiet eher so aus.

Und "on top of the world", im Quellbereich, wird eifrig gedränt - Hochwasser in Niederschlagszeiten und wegen reduzierter Grundwasserneubildung provozierte Niedrigwasserprobleme sind zwangsläufig die Folge.

Ohne Randstreifen - entgegen Wasserrecht - wird hier aus Grünland der Acker vorbereitet.

Mais - wird dieses Thema endlich einmal E- und Immissionsgerecht betrachtet?!

Solche Horizonte sollten eigentlich in Zeiten der Klimadiskussion und im Hinblick auf Biologische Vielfalt endlich der Vergangenheit angehören.

Mehr Waldwissen ist für uns alle gut.

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