Die Elbe bei Hamburg - besser und schlechter zugleich 

Meerforellen zeigen die Realität

Public Relation ersetzt heutzutage nicht nur im Umweltschutz Sachinformation.  So hat es auch die Elbe ereilt: Berechtigte Jubelmeldungen werden veröffentlicht, naturwissenschaftlich nachweisbare und zu verbessernde Probleme nicht . . .

Die Gewässergüteverbesserungen der letzten Jahrzehnte wurden unter anderem durch konsequente und gute Abwasserreinigung erreicht. So ist es nur legitim, wenn erfolgreich Handelnde mit ihrem Know-How werben. Weitere Informationen finden sich zum Beispiel unter Das Ziel ist klar.

Daneben sind aber seit dem Jahr 2000 Verschlechterungen der noch immer zu behandelnden Kranken Elbe aufgetreten, die offenbar in heutiger Zeit für Zeitungsmeldungen nicht taugen.

Weiteres findet sich unter Männer baggern wie blöde.

(Übrigens: Das soll weitergehen. In Zeiten der Bildungsdiskussion wurde das offenbar störende gewässerökologische Know-How an der Universität mit der Pensionierung des vorigen Hydrobiologie-Professors auf Null gebracht. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. - Schade, dass die NDR-Links hierzu wegen irgendwelcher rechtlicher Grundgedanken nicht mehr existieren!)

Ganz klar belegt der Wanderfisch Meerforelle, dass die "Gewinne" der 1990er Jahre seit 2000 erheblich dahin geschmolzen sind (s. pdf-Dateien unter Downloads, "2 Beispielhaftes").               

Dabei waren die Verbesserungen - gemessen an vergleichbaren Gewässersystemen - längst nicht bei "gut" angekommen - einem international anerkannten Ziel des Gewässerschutzes.

Die Meerforellenfänge der Jahre 2004 ff.  passen sich leider entsprechend in dieses verschlechterte Geschehen ein.

Beispiel 2006: Was soll man dazu noch sagen? Das Hochwasser ist abgeflossen, die Elbe bricht in ihrer Qualität rapide ein.

Das war 2005 bei geringerer, "normalerer" Wasserführung um vergleichbare Zeit bereits extremer - 2007 sieht seit der letzten Mai-Woche entsprechend katastrophal aus.

Ursache der Verschlechterungen seit 2000 können nur morphologische Veränderungen sein: Die letzte Elbe-Vertiefung und die Zerstörung der "Lungen"-Funktion des letzten Hamburg-nahen Flachwassergebiets. Ganz offensichtlich ist die Schlüsselfunktion belüftender Flachwasserzonen aus dem Gedächtnis der Verantwortlichen geraten.

Auch im Frühsommer 2004 war seit Anfang Mai - mit einem kleinen Zwischenspiel in der kalten, stürmischen 2. Mai-Hälfte - , ganz extrem ab Anfang Juni nach Eintreten sommerlicheren Wetters die katastrophale Gewässersituation wieder vorzufinden: Sauerstoffwerte unter 4 mg/l, sinkend bis zu 1 mg/l. Für Fische längst nicht mehr akzeptabel! (Die regelhaft wiederkehrenden Sturmsituationen dieses Sommers verdeckten die dramatische Lage der Elbe für den Nichtkenner des Flusses zeitweise . . .)

Die Lage Anfang Juni an der Messstation Blankenese im Westen Hamburgs - pH-Wert, grüne Linie, Sauerstoffgehalt, rote Linie (Daten aus: www.wgmn.hamburg.de):

Im August war dann das erste große Fischsterben über mehr als 10 Elbe-Kilometer zu verzeichnen - so etwas hat es nicht einmal in den "Abwasserjahren" gegeben!

Leben wir in einer Zeit,

in der nur das EINE zählt? Das wäre wohl allzu kurzsichtig.

(Bild: John Heine, A Good Planet is hard to find.)

Die nächste, bereits systematisch beworbene Elbevertiefung wird mit sehr viel mehr fachlicher Qualität, insbesondere aus der Gewässerökologie, angegangen werden müssen, wenn die jetzigen Extremlagen vermieden bzw. ausgeglichen werden sollen. Schwerpunkt notwendiger Untersuchungen muss vor allem auf dem Sauerstoffhaushalt der kritischen Strecke um Hamburg liegen. Glücklicher Weise sehen viele Beteiligte inzwischen diese notwendige, ernsthaftere Prüfung als erforderlich an.

Sicher ist auch angebracht, tägliche Praktiken aktueller Baggerarbeiten zu überprüfen. Bereits scheinbar kleine "Taten" haben in kritischer Zeit an kritischem Ort große Auswirkungen, sei es das so genannte Schlick-Eggen, oder das Verklappen von Feinmaterial mitten in der gestressten Zone. - Die Verantwortlichen wissen seit Jahren um ihre Verantwortung.

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