Quellen - hier geht es los.

Fließgewässer starten in unseren Breiten in der Regel aus unterschiedlichen Quellformen. Kleinste Gerinnsel formen sich zu Bächen, die zusammenfließen und nach und nach kleine Flüsse entstehen lassen. Angesichts der Überformung und Übernutzung unserer Landschaft sind die bekannten, Richtung Mündung ins Meer wechselnden Fischregionen Forellen-, Äschen-, Barben-, Brassen- und Kaulbarsch-/Flunder-(Brackwasser-)Region häufig verschoben oder überprägt.

Quellen und ihr Umfeld zählen zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen - standorttypisch folgen naturnahe Waldbäche. Im alltäglichen Bewusstsein sind sie kaum verankert, obwohl sie in Schrift und Liedertexten immer wieder zu finden sind. Quellnah leben besondere Organismen, bevor überhaupt die Fischwelt dazu kommt. Ein charakteristischer Vertreter ist der Feuersalamander. Er wird im folgenden Text beispielhaft behandelt.

 

Der Feuersalamander – An kleinen Quell- und Waldbächen zuhause

Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) ist durch seine auffällige schwarz-gelbe Warnfärbung eigentlich nicht zu übersehen und auch kaum mit anderen Amphibienarten zu verwechseln. Dennoch schafft es diese Art durch ihre sehr versteckte, durchweg nächtliche Lebensweise dem Menschen häufig verborgen zu bleiben.

Ein Grund mehr, den Feuersalamander einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Der Feuersalamander kommt bis auf Teile Niedersachsens und Schleswig-Holstein in ganz Deutschland vor. Sein Hauptverbreitungsgebiet liegt im bewaldeten Hügel- und Bergland, schwerpunktmäßig im westlichen, mittleren und südwestlichen Deutschland. Hier findet man ihn besonders häufig in und am Rande von bodenfeuchten Laub- und Mischwäldern, wie Buchen- und Erlengesellschaften.

Den Tag und anhaltende Trockenperioden verbringen die Tiere versteckt unter Steinen und Baumstümpfen oder in Erdlöchern und Felsspalten. Bei Regen oder feuchter Witterung gehen sie von Frühling bis Herbst nachts auf Nahrungssuche. Sie erbeuten vor allem Schnecken, Spinnentiere, Tausendfüßler, Käfer und Regenwürmer. Den Winter verharren die wechselwarmen Tiere ebenfalls in Verstecken wie Erdhöhlen oder Felsspalten.

Stark strukturiertes V-Tal in Moräne des Norddeutschen Tieflands.

In breiteren Talbereichen wächst im lichten Erlenbruchwald eine standorttypische Vegetation.

Feuersalamander sind neben Kammmolchen die größten heimischen Schwanzlurche und unterscheiden sich von Molchen durch einen runden Schwanz und die ganzjährliche „bunte“ Färbung. Erwachsene Tiere werden zwischen 14 und 18 cm, selten bis zu 20 cm lang und können in freier Wildbahn ein Alter von über 20 Jahren erreichen. Nach 2 bis 4 Jahren sind die Tiere geschlechtsreif. Die Fortpflanzung von Feuersalamandern stellt eine Besonderheit in der Welt der heimischen Amphibien dar, denn die Paarung findet an Land statt – was sonst nur bei den Geburtshelferkröten der Fall ist – und Feuersalamanderlarven schlüpfen noch im Mutterleib.

Dennoch benötigen auch Feuersalamander ein geeignetes Gewässer in ihrem Lebensraum, da das Weibchen die bereits 22-36 mm großen kiementragenden Larven entweder noch im gleichen Jahr nach der Paarung oder im darauffolgenden Frühjahr ins Wasser entlässt.

Für die weitere Metamorphose von der bereits entwickelten Larve zum voll entwickelten Feuersalamander bevorzugt die Art quellnahe saubere Waldbäche. Dabei benötigen die Larven zwingend ruhige und flache Bereiche, um nicht von der Strömung weggespült zu werden. Auch ruhige, schattige Bereiche von größeren Bächen, sowie Quelltöpfe werden besiedelt.

Neben fließenden Gewässern findet man Salamanderlarven auch in stehenden kleinen Waldtümpeln oder gefüllten Wagenspuren.

Gefährdet ist der Feuersalamander vor allem durch menschliche Eingriffe in seinen Lebensraum. Die intensive Nutzung der Wälder und das damit verbundene häufige Befahren von Wegen und Straßen bedrohen lokale Populationen. Vielerorts werden zudem Quellbachregionen verbaut, entwässert oder verrohrt. Veränderungen an Bachoberläufen können auch dazu führen, dass die Salamanderlarven stärker ihren natürlichen Fressfeinen ausgesetzt sind. So hat zum Beispiel die Verdriftung oder die Vertiefung und Begradigung der Waldbäche zur Folge, dass die Larven in Bachzonen gelangen, in denen Fische, wie Bachforelle, Bachsaibling oder Groppe vorkommen und umgekehrt. Häufig führt auch Fischteichwirtschaft an Bachoberläufen dazu, dass Fische in eigentlich fischfreie Bachzonen gelangen und die Feuersalamanderlarven massiv dezimieren.

Ein Damm hat die Charakteristik des Tals völlig verändert.

Hier ist der Quellbach in seiner Durchgängigkeit durch Teichbau zerstört.

Das vielfältige Leben des Tals ist durch einen fischbesetzten Entengrütze-Teich ersetzt. Verstoß gegen Wasser- und Naturschutzrecht sowie Unkenntnis des Fischereirechts liegen hier eindeutig vor und werden geahndet, wenn der natürliche Zustand nicht "schlank" wiederhergestellt wird.

Wie der Feuersalamander sind auch alle anderen 21 in Deutschland vorkommenden Amphibienarten durch Lebensraumzerstörung und -zerschneidung bedroht. Vor allem das Verschwinden von Klein- und Kleinstgewässern in unserer Kulturlandschaft stellt diese Tierklasse vor massive Probleme. Der Schutz der bestehenden Populationen und die Schaffung von neuen Laichgewässern ist oberste Priorität, der sich zahlreiche Umweltschutzorganisationen verschrieben haben.

In Westfalen-Lippe wird innerhalb des Projektes „Amphibienschutz am Angelgewässer“ der Versuch unternommen mit Anglern das Thema Amphibienschutz umzusetzen. Gemeinsam mit dem hiesigen Landesfischereiverband hat die Naturschutzorganisation ARA ein kostenfreies Seminarangebot zum Thema Frosch und Co. erstellt. Angelvereine können sich für Seminare oder Beratungen für Maßnahmen am eigenen Gewässer melden. Dieses Angebot wird durch die NRW Stiftung Umwelt und Entwicklung gefördert.

Nähere Informationen unter www.fisch-und-frosch.de.

Text: Christina Zander

 

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