Bäume wachsen lassen - Ein Schritt auf dem Weg zum guten Zustand

Baumlose Bäche und kleine Flüsse - ein künstlicher Zustand, entstanden aus harter Gewässerunterhaltung. Sumpf- und Wasserpflanzen versperren den Abflussquerschnitt - wieder steht Unterhaltungsarbeit an. - Die Natur zeigt, wie es besser und billiger geht.

Frühling im Erlenbruch: Scharbockskraut

und Sumpfdotterblume

Der gute Gewässerzustand = ein lebendiger, standorttypischer  Lebensraum soll innerhalb der nächsten Jahre überall erreicht werden.

Dazu gehört auch der uferbegleitende Gehölzsaum, an Bächen und kleinen Flüssen meist geprägt von Schwarz(=Rot)Erlen als dominierende Art. Erinnern Sie noch die Blütenpracht der Frühblüher?

Heute ist fast an allen Fließgewässern der lichte Schatten solcher Erlenbruchwälder durch stark besonnte Strecken abgelöst worden - mit fatalen Folgen für den Lebensraum, vor allem auch für den Steuer- oder Beitragszahler an Wasser- und Bodenverbände: Der starke Lichteinfall führt zu ungebremstem Wachstum von Wasser- und Uferpflanzen, der Abflussquerschnitt wächst zu - der Wasserstand steigt. Nutzungen im Umfeld rufen nach erneuter Gewässerunterhaltung. Maschineneinsatz oder harte Gewässerunterhaltung per Hand führen zum Ausgangszustand: Der Bach ist wieder zerstört, das Licht ist weiter da, die Pflanzen wachsen wieder massiv . . .

Besserung bringt es, sich ansiedelnde Erlen beim Mähen zu schonen und wachsen zu lassen oder den Erlensaum anzupflanzen (Das folgende Beispiel wurde an der Heidenauer Aue, einem kiesgeprägten Nebenbach des Oste-Oberlaufs seit Mitte der 1990er angelegt. Die Erlengalerie ist inzwischen sehr gut ausgeprägt. Exkursionen sind jederzeit möglich - Kontakt: ludwig.tent@gmx.net). Das ursprüngliche Lichtklima des Bachs stellt sich im Lauf der Zeit ein, auch die Wurzeln wirken sowohl als Erosionsschutz und - später teilweise im Wasser flutend - als Verstecke für Fische und Kleinlebewesen.

Schon nach 3-5 Jahren schließen die Kronen über dem Bach. Über die Zeit schlagen sich die Erlen Äste ab, so dass der zunächst "schwarze Tunnel" so licht wird wie die natürliche Erlenaue.

Wenn die Bachstruktur so zerstört ist, wie im vorstehenden Bild, ist natürlich eine Restrukturierung des Bettes ebenfalls angesagt. Näheres dazu unter "Bessere Bäche", vergleiche auch Hilfen zur "in-stream-restoration" .

Bei Diskussionen über "Baumpflege" beachten Sie bitte, dass wie generell in der Gewässerunterhaltung - aus Gründen der Schonung der Beitragszahler und der Gewässerökologie - das Minimierungsprinzip gilt.

Nur wirklich notwendiges Handeln macht Sinn.

Insofern ist das bisher gern geübte "Auf-den-Stock-setzen" der Bäume, d.h. das Absägen, kritisch zu sehen. Es geht künftiges Altholz verloren, das Vögeln und Fledermäusen und der Vielzahl von Kleintieren wertvollen Lebensraum geboten hätte. Außerdem fehlt so natürlich das Ausgangsmaterial für das heute intensiv diskutierte, wichtige Totholz als Strukturmaterial im Gewässer. Nicht nur die Ästchen und Stöckchen, sondern vor allem auch langes, dickes Stammmaterial ist für den guten Zustand der Gewässer wesentlich.

Ganz abgesehen davon bewirkt das Auf-den-Stock-setzen buschiges Wachstum der Bäume, wodurch zwangsläufig der nicht gewollte "schwarze Tunnel" neu geschaffen wird.

Leider ist neben falscher Gewässerunterhaltung weiter im  Frühjahr zu beobachten, dass vandalisierende Säger-Trupps wahllos Holz für "das größte Osterfeuer" schlagen. Dabei kommt es nicht nur zu halbseitigen Telegrafenmasten

oder verstümmelten Bäumen,

http://www.salmonidenfreund.de/media/23647-Baeume-wachsen/h30.jpg

sondern es werden die zur Beschattung notwendigen Äste über dem Gewässer selbst entfernt - irrwitziger geht`s nimmer!

Die Schwarzerle war übrigens Baum des Jahres 2003. Nicht vergessen werden sollen selbstverständlich andere standorttypische Bäume wie z.B. die Esche, die Flatterulme und die Silberweide.

Das Dach über dem Kopf - unverzichtbares Element des Forellenbachs. Altbäume sind in ihrer ökologischen Wirkung unbezahlbar!

Falls es Sie interessiert, was Bäume mit Lachsen zu tun haben, gucken Sie doch mal unter hier.

Da der Link inzwischen nicht mehr die Lachse zu finden scheint, setze ich diesen ein in der Hoffnung, dass er noch ein Weilchen erhellend im Netz stehen bleibt.

Mehr Waldwissen ist für uns alle gut.

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