Elbe kaputt --, es geht weiter:  Männer baggern wie blöde . . . 

"Männer baggern wie blöde ..." - Hat Herbert Grönemeyer etwa das Sauerstoffloch in der Elbe bei Hamburg besingen wollen? Fakt ist, dass seit Sommer 2000 wieder dramatische Einbrüche im Sauerstoffhaushalt zu verzeichnen sind. Abwasserreinigungs-Erfolge werden konterkariert.

Die Jahre 2013 ff. werden nicht gesondert kommentiert, das Folgende gilt grundsätzlich weiter - leider !

Frühsommer 2012: "Rettet die Elbe" berichtet über nicht in die Zeit passende Aktivitäten im Hamburger Hafen (Pressemitteilung vom 11. Mai 2012).

Sommer 2011: Niedrige Sauerstoffwerte - ab 7. Juni wie seit den Abwasserjahren bis Ende der 1980er nicht mehr.

Zu sehen im Blog, 7.07.2011.

 

2010: Mal etwas anderes.

Nicht jedes Jahr läuft wie das andere ab - die Wetterlage des Oder-Hochwasser 2010 hat auch etlichen Niederschlag ins obere Elbe-Einzugsgebiet gebracht. Dadurch "schob" die Hochwasserwelle die Sichtbarkeit der sommerlichen Belastungssituation etwas hinaus, zeitlich wie örtlich.

Als allerdings von Mitte Juni bis Mitte Juli die Abflussmenge von 1.400 auf ca. 350 m³/s (Pegel NeuDarchau) sank, entwickelte sich auch das für den Schifffahrtskanal Tide-Elbe (die in dem vorstehenden Link dargestellte, konkrete Ursache sollte eigentlich den Staatsanwalt auf den Plan rufen!) typische Sauerstoffloch und "robbte" sich elbaufwärts in den Bereich der Hamburger Messstationen, in seiner zeitlichen Entwicklung verschärft durch die tropischen Sonnen- und Temperaturverhältnisse.

Die Abbildung der Messstation Blankenese zeigt den Anstieg der Wassertemperatur von ca. 18 auf ca. 25 Grad Celsius sowie den rapiden Fall der Sauerstoffwerte bis in fischkritische Bereiche (Herkunft der Daten: s. unten folgenden Text "Allgemeine Einführung ..."). Durch das Pendeln des sauerstoffarmen Wasserkörpers im Tidegang entsteht so ene 20-50 km fischfreie Zone in der Elbe - von der Durchwanderbarkeit des Hamburger Elbebereichs und den Lebensmöglichkeiten bodenlebender Organismen einmal ganz zu schweigen ...

Die Daten der Messstation Seemannshöft - Sauerstoffgehalt und Pegelstand - zeigen, woher das ausgezehrte, nicht wiederbelüftete Wasser stammt. Es wird mit der Flut in den Hamburger Bereich geschoben. Wenn die Wasserführung der Elbe weiter fällt, liegt dieser lebensfeindliche "Sperrpfropf" als undurchdringliche und - mangels sauerstoffreicher Flachwassergebiete - nicht umwanderbare Todesbereich über Monate im Hamburger Hafenbereich.

Es stellt sich die Frage, wann die Verantwortlichen in Firmen, Verwaltung und Politik ihrer Verantwortung gerecht werden (wollen). EIN seit Jahrzehnten überfälliger Ansatz - nicht nur für das Elbe-Einzugsgebiet - wäre nach den Abwasserreinigungserfolgen, endlich die Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft gezielt zu minimieren - UND, logischer Weise, die Elbe NICHT weiter vertiefen zu wollen. (Schade, dass all die NDR-Informationen, die ich hierzu verlinkt hatte, aus irgendeinem rechtlichen Grund online nicht mehr verfügbar sind!)

Es ist schon heftig, was der Elbe seit 2000 zugemutet wird:

(Quelle: TIDE TIMES Issue 01/2010, www.tide-project.eu)

Allgemeine Einführung

in die generelle Problematik der nach wie vor todeskranken Elbe

Die abwassertechnischen Verbesserungen der vergangenen Jahrzehnte in West und Ost hatten aus der extrem belasteten Elbe wieder einen lebendigeren Fluss werden lassen. Hoffnung keimte auf.

Seit Sommer 2000 jedoch stellen sich Situationen im Bereich der als Schifffahrtskanal ausgebauten Hamburger Elbestrecke ein, die erschrecken lassen: Der Sauerstoff sinkt wieder bis unter fischkritische Werte und erreicht Minima bei 2 mg/l.

5. Mai 2008: Vielleicht besteht ja Hoffnung, dass zumindest mittelfristig Verbesserungen durch zukunftsweisenden Wasserbau möglich sind. Bis das nachgewiesen ist, sollten sich Leser nicht über die folgenden Inhalte ärgern, sondern eher über die zu ändernde Realität.
Im Download-Bereich unten steht eine pdf-Datei zur Frühjahrssituation 2008.

Frühjahr 2007
Seit der letzten Maiwoche ist der Hamburger Hafenbereich wieder der Flaschenhals für Wanderfische. Dort ständig lebende Organismen sind großflächig abgestorben - unvorstellbar bei einem mehrere hundert Meter breiten Fluss, die kritische Zone erstreckt sich über mehrere 10er Kilometer.

Die Daten aus dem Wassergütemessnetz zeigen die  Situation am westlichen Ausgang der hamburger Elbestrecke, wo nach Osten keine sauerstoffreichen Flachwassergebiete mehr als Fluchtraum vorhanden sind. Dargestellt sind die Wasserstandshöhen im Tidegang (grün), deutlich zu sehen ist Richtung Juni, dass beim herrschenden geringen Abfluss der Elbe und Ostwindlagen das Niedrigwasser die Normalsituation (Kartennull bei 0,0) unterschreitet. Damit fallen verbliebene Flachwassergebiete auch weiter westlich verstärkt trocken. Ihre Sauerstoff-liefernde Lungenfunktion für den Fluss und ihr Potential als Fluchtraum sind extrem verringert. Dem entsprechend fällt der Sauerstoffgehalt (rot) im Messbereich des kanalartigen Elbestroms vom schon nicht schönen Bereich unter 6 mg/l in den für Gewässerorganismen nicht mehr akzeptablen Bereich um 2-3 mg/l, massive Fischsterben sind inzwischen gemeldet.

Im Gegensatz zu verkürzenden offiziellen Verlautbarungen sind es nicht "die Algen", die diese Probleme verursachen - man stelle sich einmal vor, jeder Fluss hätte ab jedem Frühsommer Sauerstoffprobleme wegen Algen . . . Wie hätte die Natur wohl Jahrmillionen überleben und aquatische Lebensgemeinschaften entwickeln können?!
"Die Algen" und folgende Konsequenzen sind lediglich das Abbild eines ungezügelten Umgangs mit der Elbe, ohne Rücksicht auf Flussqualität.

Seit Ende Juni dürfte die Elbe so aussehen:

Die Daten der letzten Arge-Elbe-Untersuchung vom 22. Mai 2007 wurden um die oben geschilderte Wassergütemessnetz-Entwicklung ergänzt.

Weitere Grundlagen werden im Folgenden an Daten früherer Jahre erläutert.

2003 WAR ES SEHR FRÜH  WIEDER SO WEIT:
Schon Anfang Mai 2003 kehrte unser alter Bekannter, das Sauerstoffloch, zurück - keiner ist Schuld . . .

Anfang Juni 2003 traten noch extremere Minima auf: Sauerstoff gesunken bis 1 mg/l.

Messdaten der Elbe sind online verfügbar: Wassergütemessnetz.

Hier das Beispiel der Messstation Blankenese aus dem Hamburger Wassergütemessnetz im Juni 2006, gleich westlich des Hamburger Hafens (ein Bild mit Daten zur aktuellen Situation 2007 folgt in den nächsten Tagen):

Wenn das sommerliche Sauerstoffloch in dieser Strecke mit der Tide hin und her "schwappt", besteht hier eine großflächige Sperre für in der Elbe wandernde Organismen.

Die starken See-Winde Ende Juni 2003 verschönten das Bild ein wenig - an der Grundsituation ändern sie natürlich nichts.

Juli 2003: Bei weiter fallender Elbe-Wasserführung "schwappt" eine sauerstoffarme Zehner Kilometer lange ökologische Sperre vor Hamburg hin und her (vgl. Link "Wassergütemessnetz" oben).

Der Patient Elbe spricht auf alle ihn schädigenden Parameter wie Nährstoffübermaß durch Landwirtschaft und Kläranlagen-Abläufe sowie darauf aufsattelnden sonstigen Umgang besonders kritisch bei den herrschenden hohen Wassertemperaturen an. Wer wird für Verbesserungen im Einzugsgebiet sorgen? Zur Zeit sieht es leider nicht so aus, als wäre auch nur eine Wasserbehörde bereit, ihren Aufgaben nach zu kommen. Und wie steht es mit den Landwirtschaftsbehörden und deren Verantwortung für die fortgesetzten Beiträge zu überhöhten diffusen Belastungen? Sind sie mit der Ausschüttung der Agrarsubventionen zu sehr beschäftigt?

[Übergreifende Informationen zur Elbe sind z.B.  zu finden in  http://www.elbe-insel.de ]

Als Beispiel zur "Jahrtausend-Flut" hier das Elbe-Längsprofil vom August 2002:

Diese Momentaufnahme zeigt die Auswirkungen der enormen Wassermassen. Süßwasser findet sich bis ins Wattenmeer, während die Brackwasserzone in normalen Jahren etwa bei Stade pendelt. Erschreckend ist das über viele 10er Kilometer sich erstreckende extreme Sauerstoff-Defizit mit Werten bis hinunter auf 2,5 mg/l.

Elbe-Daten sind zu finden z.B. auf der Seite http://www.fgg-elbe.de/tl_fgg_neu/veroeffentlichungen.html. (Zugegeben: unter arge-elbe oder wasserguetestelle-elbe schienen die Informationen umfassender. Vielleicht muss man sich aber auch erst an die neue Heimat der Daten gewöhnen.)

Für nicht so "Elbe-Bewanderte":
Bei Bunthaus erreicht die Elbe - für Binnenschiffe befahrbarer, also noch relativ flacher Fluss - das Hamburger Stromspaltungsgebiet. Etwa an den Elbbrücken beginnt seeschifftiefes Wasser, d.h. sie wird um ca. 10 m tiefer.

Das belastet ihre Sauerstoffbilanz besonders, da der atmosphärische Sauerstoffeintrag durch Veränderung der Oberfläche-/Tiefe-Relation bezogen auf das Wasserteilchen verringert wird.
Dies gilt natürlich für den biogenen, also von Algen und höheren Pflanzen bewerkstelligten Sauerstoffeintrag. Das Wasserteilchen hält sich länger in der unbelichteten Tiefe auf, sauerstoffzehrende Abbauvorgänge beherrschen den Sauerstoffhaushalt.

Damit reagiert der Fluss auf jederlei Belastung um so empfindlicher.
Jeder weitere Meter Elbe-Vertiefung führt so zu weiterer Verschlechterung.

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